infoveranstaltung_Marktplatz_Baden-Baden © Franziska Schick (Nationalpark Schwarzwald)

Nationalpark & Region

Der Nationalpark versteht sich als Teil der Region. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, die Menschen in der Region einzubinden und den Park gemeinsam mit ihnen zu gestalten. Auf dem Großteil der Fläche im Nationalpark hat die Natur oberste Priorität. Wo immer es allerdings einen Handlungsspielraum gibt, sollen weitere Interessen bedacht, gehört und im Rahmen der Möglichkeiten auch berücksichtigt werden. Es ist uns deshalb wichtig, transparent über Entwicklungen im Nationalpark und unsere Arbeit zu kommunizieren und Möglichkeiten zu bieten, Anregungen einzubringen.

Hier konnten Sie Ihre Anregungen zur Verbesserung der Kommunikation des Nationalparks in der Region sowie weitere Ideen zum Thema einbringen.

Der Nationalpark Schwarzwald ist der zweitjüngste Nationalpark in ganz Deutschland: Gerade mal seit acht Jahren gilt hier der Grundsatz „Natur Natur sein lassen“. Die Menschen und Familien in der Region leben teilweise schon seit Jahrhunderten in den Ortschaften rund um den Nationalpark. Sie haben ihre Bräuche und Traditionen, die ihre Identität prägen. Vom Beerensammeln über Gottesdienste zu fest mit dem Wald verwobenen Gewerben – der Wald im Nationalpark ist dicht an der Lebenswelt der Menschen in der Region.

Der Nationalpark versteht sich deswegen als besonderer Teil dieser Region. Das ist im Leitbild des Nationalparks festgelegt und ergibt sich zudem auch aus dem Nationalparkgesetz. Es ist ein wichtiges Anliegen des Nationalparks, die Menschen in der Region auf die Reise hin zu einer wilderen Natur mitzunehmen und Angebote und Konzepte gemeinsam zu erarbeiten, die dem Nationalpark wie der Region gleichermaßen dienen. Auf dem Großteil der Fläche im Nationalpark hat die Natur oberste Priorität. Wo immer es allerdings einen Handlungsspielraum gibt, sollen weitere Interessen bedacht, gehört und im Rahmen der Möglichkeiten auch berücksichtigt werden.

Dieser Anspruch wird zum Beispiel mit dem Nationalparkrat umgesetzt. In diesem Gremium kommen jeweils mit gleichen Stimmenanteilen die gewählten Repräsentantinnen und Repräsentanten der anliegenden Gemeinden, Kreise und der Stadt Baden-Baden sowie der Verwaltung des Landes zusammen. Im Nationalparkrat treffen Nationalpark und Region gemeinsam wichtige Entscheidungen. Der Nationalparkbeirat, ein Gremium aus verschiedenen gesellschaftlichen Interessenvertretungen, steht dem Rat dabei beratend zur Seite. Die Menschen in der Region werden außerdem durch verschiedene Informations- und Beteiligungsformate auf die Reise hin zu einer wilderen Natur mitgenommen. Das funktioniert vor allem durch eine transparente Kommunikation. Je nach Thema werden aber beispielsweise auch Führungen, Workshops, Informationsveranstaltungen, Rundfahrten, Online-Information oder Online-Dialoge angeboten.

Gemeinsam mit der Region wurde bis 2018 der Nationalparkplan erarbeitet. Dieser umfasst alle Aufgaben, Themen und Ziele des Nationalparks. Er ist sozusagen das Betriebshandbuch des Parks. Unter Beteiligung der Region wurde so beispielsweise das Wegekonzept entwickelt. Es wurde aber auch festgehalten, wie der Nationalpark zum Schutz der angrenzenden Waldflächen mit dem Borkenkäfer oder Wildtieren wie Reh, Hirsch und Wildschwein vorgehen soll. Heute sind diese Konzepte in die alltägliche Arbeit des Nationalparks übergegangen und werden erfolgreich umgesetzt. Mit dem Verkehrskonzept konnte unter anderem das ÖPNV-Angebot in der Region ausgebaut werden und das Tourismuskonzept führte zur Gründung der Nationalparkregion GmbH, die sich um die großflächige touristische Vermarktung der Gemeinden um den Nationalpark bemüht. Im Rahmen von Bildungskooperationen mit Kindergärten und Schulen wird Kindern und Jugendlichen ein Zugang zum Nationalpark und damit einem wichtigen Naturerlebnisraum ermöglicht. Die Beispiele zeigen, wie der Nationalpark immer wieder als Impulsgeber für wichtige Entwicklungsschritte der Region agiert.

Das Motto "Natur Natur sein lassen" drückt zugleich das vorrangige Ziel des Schutzgebietes aus. Um diesen Schutzzielen des Nationalparks gerecht zu werden und gleichzeitig Einheimischen wie Gästen den Zugang zum Nationalpark zu ermöglichen, müssen auf der Fläche bestimmte Einschränkungen vorgenommen werden. Dazu gehören zum Beispiel das Wegegebot, das Verbot, Beeren oder Pilze im Nationalpark zu sammeln oder das Gebot, Hunde anzuleinen. Gerade aber diese Aspekte werden in der Region immer wieder stark diskutiert.

Gleichzeitig zeigen regelmäßige repräsentative Umfragen, dass die Akzeptanz sowohl in der Region wie auch landesweit stetig steigt. Landesweit lag die Zustimmung Ende 2020 bei rund 80 %, während weiterhin nur knapp 5% dem Nationalpark kritisch bis ablehnend gegenüberstehen.

Eine größere und vor allem zusammenhängende Fläche für den Nationalpark würde das Gebiet aus naturschutzfachlichen Gründen stärken und der natürlichen Dynamik sowie der Artenvielfalt mehr Platz einräumen. Mehr Platz für eine freie Entwicklung der Natur und für Arten bedeutet im Umkehrschluss jedoch auch, dass der Nationalpark den betroffenen Anrainern näherkommt und Einschränkungen in weiteren Flächen zum Tragen kommen – dies kann positiv wie negativ aufgenommen werden. In Kritik stehen auch hier beispielsweise, dass die zugewonnenen Waldflächen nicht mehr forstlich genutzt werden oder sich Wege ändern könnten, die aktuell von den Anwohnenden frei zugänglich genutzt werden.